Stoppt die fremdnützige Forschung an geistig behinderten Kindern!
13.07.2010: Im "Netzwerk Mentale Retardierung" (MRNET) suchen Humangenetiker von sieben deutschen Unis nach Ursachen geistiger Behinderung. Dabei analysieren sie die Gene von geistig behinderten Kindern. Dazu werden Mütter und Väter von Kindern mit geistiger Behinderung gebeten, ihr Kind zur Verfügung zu stellen. Für diese Forschung freigegebene Kinder werden körperlich untersucht und fotografiert; zudem werden ihnen zwecks genetischer Analyse Blut- oder Gewebeproben entnommen, die das Institut zeitlich unbefristet aufbewahren darf. So etwas hätte der Bundestag bisher nicht zugelassen. Weshalb gibt das Bundesforschungsministerium sogar Geld für dieses fragwürdige Projekt? Hier einige Links zum Thema und ein kurzer Text, mit dem ich diese Veröffentlichungen an zwei in der Sache engagierte SPD-Abgeordnete im Forschungsausschuss des Bundestages geschickt habe.
Der ungeschützte Mensch als Objekt der Forschung? © wodarg
| Lieber Ernst-Dieter, lieber René, vom renommierten Journalisten Klaus-Peter Görlitzer habe ich folgende Artikel und seinen wahrlich alarmierenden Kommentar erhalten, der mich unruhig macht. Ich habe unsere offenen und wachsamen Diskussionen um den Schutz jener, die noch nicht, nicht mehr oder wohl nie ihre Zustimmung zu Eingriffen in ihre körperlich-seelische Integrität geben können immer mit Freude und mit Hochachtung vor unseren parlamentarischen Arbeit wahrgenommen. Auch unsere Diskussion um Forschungsethik im Bundestag war immer vom klaren Bewusstsein der Basis unseres Zusammenlebens, der Menschenwürde geprägt. Nur deshalb haben wir in Deutschland weltweit hoch geachtete Leitbilder und Wertmaßstäbe entwickeln können, die im eigenen Lande zur Grundlage gesellschaftlich tragfähiger Kompromisse geworden sind. Sie bilden für Forscher und für Beforschte einen transparenten und verantwortlichen Rahmen. Jetzt sehe ich mit Sorge, wie mit utilitaristischen Argumenten eine Forschung an nicht Einwilligungsfähigen in Deutschland sogar staatlich finanziert wird, obwohl die Beforschten selbst hiervon absehbar keinen Nutzen haben können. Die körperliche Integrität der beforschten Behinderten und ihre informationelle Selbstbestimmung werden dabei unverhältnismäßig verletzt. Es hilft nicht, wenn Betreuer oder Eltern zur Kooperation und zur stellvertretenden Zustimmung überredet werden, die Instrumentalisierung dieser Menschen für fremdnützige Forschung verletzt deren Würde und damit unser aller Menschenwürde! Ich bitte Euch deshalb um Stellungnahme und um Euren Einsatz für unsere gemeinsamen Werte. Mit solidarischer Hochachtung und herzlichen Grüssen,Wolfgang Wodarg |
Links zu aktuellen Berichten über das "Netzwerk Mentale Retardierung":
www.swp.de/hechingen/nachrichten/politik/art4306,551604
www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/art4306,551001
www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wi&dig=2010%2F07%2F09%2Fa0196&cHash=2853651511
www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wi&dig=2010%2F07%2F09%2Fa0197&cHash=04f8509327
www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=wi&dig=2010%2F07%2F09%2Fa0198&cHash=ff9eb7e37e





