Mehr Forschung für die Krankheiten der Ärmsten!
24.04.2008: Anlässlich der Verabschiedung des Antrages "Deutschlands globale Verantwortung für die Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten - Innovation fördern und Zugang zu Medikamenten für alle sichern" der Koalitionsfraktionen erklärt Dr.Wolfgang Wodarg, der Initiator und Verfasser dieses Antrages:
Geforscht wird da, wo Geld zu verdienen ist. Dieses Gesetz des Marktes macht über ein Drittel der Weltbevölkerung für den Pharmamarkt uninteressant. Die Lebenserwartung in Entwicklungsländern liegt unter anderem deshalb bis zu 30 Jahre unter der der Industrieländer, weil täglich Tausende Menschen an vermeidbaren oder behandelbaren "vernachlässigten Krankheiten" sterben. Gegen Erkrankungen wie Malaria, Tuberkulose, Schlafkrankheit, verschiedene Wurmerkrankungen oder Lepra gibt es kaum wirksame und nur stark veraltete Medikamente. Studienergebnisse zeigen, dass nur 10 Prozent der weltweiten Ausgaben für Gesundheit in die Erforschung für jene Krankheiten fließen, unter denen 90 Prozent der Menschen leiden!
Der Deutschen Bundestag hat sich dieser Problematik angenommen und auf Initiative von Dr. Wolfgang Wodarg (Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) einen Antrag auf den Weg gebracht, der die Bundesregierung auffordert, Deutschlands globale Verantwortung für die Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten mit mehr Geld und der Förderung von Innovation und Forschung wahr zu nehmen.
Dass dieser Antrag mit seinen Forderungen den Finger in eine tiefe Wunde legt, machen die folgenden Zahlen deutlich. Deutschland gibt für die Bekämpfung von Tropenkrankheiten pro Jahr gerade mal 20,7 Mio. Euro aus und damit nicht mal 15% des Budgets, welches das britische Entwicklungshilfeministerium oder das italienische Forschungsministerium im gleichen Zeitraum zur Verfügung stellen. "Für die drittstärkste Wirtschaftskraft der Welt mit seinen großen Forschungskapazitäten wird es für Deutschland höchste Zeit seinen ethische Verpflichtung gerecht zu werden!" appelliert Wodarg.
Es gibt Anlass zur Hoffnung, dass mit diesem Antrag nun endlich ein auf breiter Basis getragenes Instrument mit Signalwirkung in Richtung Genf verabschiedet wurde. Denn dort wird die zwischenstaatliche Arbeitsgruppe der WHO zur Entwicklung einer bedarfsgerechten Forschung in der nächsten Woche die entscheidenden Weichen für den Zugang zu wirksamen und bezahlbaren Medikamenten für den Großteil der Weltbevölkerung stellen.







