Bildung: eine Chance für Entwicklungsländer

19.06.2008: Bildung als Chance für ein besseres Leben! Schulen für eine nachhaltige Entwicklungshilfe! Mit dem Antrag "Förderung von Bildung und Ausbildung – Entwicklungspolitischen Schlüsselsektor konsequent ausbauen" fordere ich gemeinsam mit meinen Kollegen der Großen Koalition ein verstärktes Engagement der deutschen Entwicklungspolitik für Bildung weltweit.

Heute sind es noch weltweit 780 Mio. Menschen, die nicht lesen und schreiben können. Fast 80 Millionen Kinder besuchen keine Schule. Die Weltgemeinschaft ist bereits mit der Initiative der Weltbank "Education For All – Fast Track Initiative“ engagiert. Trotz guter Fortschritte in den vergangenen Jahren gilt es, diese Anstrengungen zu verstärken. Zugang zu Bildung ist - und das gilt auch in unserem Land - eine Grundvoraussetzung für Wachstum und Chancengleichheit, und sie ist besonders in armen Ländern eine Grundvoraussetzung für deren Entwicklung.

HIV/AIDS bedroht besonders die jungen Mädchen in vielen afrikanischen Regionen. Schon in der Schule sollten sie lernen können,wie sie sich vor einer Infektion schützen. Das Selbstbewusstsein der Mädchen und Frauen wird dort gestärkt und es gibt ihnen die Chance sich für ihre gesundheitlichen, privaten und beruflichen Interessen stark zu machen. Dies setzt aber viel voraus: Lehrkräfte müssen gefunden, geschult und ausgebildet werden. Auch aktuelles Lehrmaterial muss den Schülern zur Verfügung gestellt werden. Die Verantwortlichen in Behörden und Regierungen müssen auch sensibilisiert und weitergebildet werden, damit sie nachhaltige Capacity-Building-Programme für Lehrer konzipieren und umsetzen können.

Schließlich brauchen auch die Kinder und ihre Familien Anreize, um den Schulbesuch attraktiv zu machen. Arme Familien können es sich oft nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil diese dann nicht auf den Feldern oder im Haushalt mithelfen können. Deshalb müssen zun Beispiel die Unterrichtszeiten dem landwirtschaftlichen Kalender angepasst werden und durch Schulspeisungen auch Kinder aus sehr armen Familien zum Schulbesuch motiviert werden.

Aber nicht nur die Grundbildung ist wichtig. Auch Sekundarschulbildung, Studium, berufliche Aus- und Fortbildung und die Erwachsenenbildung sind Gegenstand unserer Entwicklungshilfe.

Wegen der ungleichen Verteilung der Grundbildungsangebote zwischen Land und Stadt haben oft Kinder auf dem Land überhaupt keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. In diesen Fällen stellt der Einsatz von Multiplikatoren eine erfolgreiche Alternative dar. Dabei werden gezielt Bezugspersonen geschult, sog. "peer educators", die dann das erworbene Wissen an ihre unmittelbare Umgebung, insbesondere an Gleichaltrige weiter vermitteln.

In Dörfern, wo die Einschulungsrate sehr niedrig ist, können auf diese Weise sogenannte Life Skills (Fähigkeiten für das Alltagsleben) besonders an Jugendliche vermittelnt werden. Das ist von großer Bedeutung, wo die familiären Bindungen durch Krieg oder HIV/Aids zerstört wurden.

In Einrichtungen wie "Baan Gerda", im nördlichen Thailand werden HIV-infizierte Waisen eingeschult und behandelt. Sie finden dort Halt, absolvieren eine normale Schulausbildung und lernen, mit der Infektion zu überleben.

In anderen von der HIV-Infektion stark betroffenen Ländern, wie Südafrika oder Namibia, spielt die psycho-soziale Unterstützung eine wesentliche Rolle: dort haben viele Kinder ein oder sogar beide Elternteile sterben sehen und mussten dann selber die Führung des Haushalts übernehmen. Sie erleben, zusätzlich zu dem Trauma des Todes der Eltern, die Diskriminierung und Stigmatisierung durch ihr Umfeld. Durch spezielle Programme können diese Kinder ihr Trauma überwinden und überleben lernen.

Diese Art von Bildung spielt auch eine große Rolle bei ehemaligen Kindersoldaten, für welche die Wiedereingliederung in die Gesellschaft alles andere als einfach ist.

Auch in Äthiopien, wo ich die verheerenden Konsequenzen von Genitalverstümmelungen und Frühehen sehen konnte, zielen Programme der Vereinten Nationen und lokaler NGOs darauf ab, Mädchen und junge Mütter zu stärken und gegenüber ihrer Familie selbstbewusster zu machen.

In dem von uns in den Bundestag eingebrachten Antrag fordern wir unter Anderem:

Bildung zu einem Schlüsselsektor der deutschen Entwicklungszusammenarbeit auszubauen;

die Förderung der Bildung als Querschnittsthema in weiteren Sektoren der Entwicklungszusammenarbeit zu integrieren;

die Bildung von Mädchen und Frauen weiterhin explizit zu fördern;

sich verstärkt für die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen im Bereich der Kinderarbeit einzusetzen, um allen Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen;

den Ansatz zur verstärkten Förderung der Grundbildung in Entwicklungsländern fortzuführen.

Zugehörige Dateien:
Antrag im Volltext zum herunterladenDownload (75 kb)
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