Nahrung ist ein Menschenrecht

16.10.2008: Der Welternährungstag soll an den Hunger in der Welt und an das Menschenrecht auf Nahrung erinnern, denn die Zahlen sind dramatisch. Hunger in der Welt ist kein Schicksal, sondern strukturell bedingt und daher auch durch politische Maßnahmen zu beseitigen. Die Welternährungskrise ist das Ergebnis einer Politik, die eine permanente Menschenrechtsverletzung in Kauf nimmt, nämlich die Verletzung des Menschenrechts auf Nahrung.

Hunger in der Welt ist kein Schicksal, sondern strukturell bedingt und daher auch durch politische Maßnahmen zu beseitigen. Die globale Landwirtschaft könnte problemlos alle Menschen ernähren. Doch die vorhandene Nahrung ist ungleich verteilt. Vieles davon wird auch nicht direkt als Nahrung eingesetzt, immer mehr Getreide wird verfüttert oder zu Biokraftstoff verarbeitet. Es ist paradox, aber die meisten Menschen hungern gerade dort, wo die Nahrung wächst - in den ländlichen Gebieten auf der Südhalbkugel.

Der Welthunger ist somit kein Problem der Produktion, sondern hauptsächlich eines der Verteilung. Wenn aber keine wirksamen Strategien bald entwickelt werden, dann steuern wir nicht annähernd dem Millenniumsziel zu, das bis 2015 den Hunger weltweit halbieren will. Stattdessen könnte eine Milliarde Menschen hungern, während die Tanks der Industrieländer mit Agrotreibstoffen gefüllt werden.

Die Welternährungskrise ist das Ergebnis einer Politik, die eine permanente Menschenrechtsverletzung in Kauf nimmt, nämlich die Verletzung des Menschenrechts auf Nahrung.

Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Hungernden um fast 10 Prozent gestiegen! Die Zahl der bedrohlich chronisch unterernährten Menschen ist mit 923 Millionen auf einen historischen Höchststand geklettert und wird nach Prognosen der neuen Hunger-Task-Force der Vereinten Nationen bald die Milliardengrenze überschreiten. Bereits jetzt kämpft jeder siebte Weltbürger Tag für Tag ums Überleben. Nach Schätzungen der FAO sterben jedes Jahr 5 Millionen Kinder an den Folgen des Hungers.

Der drastische Anstieg der Grundnahrungsmittelpreise verschärft sich weiter und droht gerade weltweit, Millionen Menschen in Armut und Hunger zu stürzen. Wir müssen die Agrarexportsubventionen endlich abschaffen und die ländliche Entwicklung stärken! In 37 Ländern hat die Ernährungskrise schon zu sozialen Unruhen und Hungeraufständen geführt. Das rücksichtslos profitorientierte Vorgehen von Investmentbanken und Spekulanten hat seinen Teil zu dieser Krise beigetragen: skrupellose Spekulationen mit Agrarrohstoffen und Böden sind einer der Gründe für den enormen Anstieg der Nahrungsmittelpreise weltweit, der zu einer Verschärfung der Ernährungskrise geführt hat.

Es ist höchste Zeit für einen Paradigmenwechsel in der Agrar-, Handels- und Entwicklungspolitik. Wir brauchen eine kleinstrukturierte, ökologisch nachhaltige Landwirtschaft, die Förderung von kleinbäuerlichen Betrieben und gerechtere Strukturen im Welthandel.

Oberste Priorität der Agrarpolitik muss es sein, die Menschheit gesund und ökologisch nachhaltig zu ernähren. Die energieintensive industrielle Landwirtschaft, die mit hohen chemischen Inputs, Gentechnik und Umweltverschmutzung arbeitet, ist, auch laut aktuellem UN-Agrarbericht, ungeeignet, das Hungerproblem zu lösen.

In der Entwicklungspolitik muss die kleinbäuerliche Landwirtschaft stärker als bisher berücksichtigt werden. Auf den Millionen Hektar Futtermittelfläche in den Entwicklungs- und Schwellenländern müssen daher vorrangig Lebensmittel für die dortige Bevölkerung wachsen.

Die Welthandelsorganisation (WTO) muss die Ernährungssouveränität sicherstellen, indem den Entwicklungsländern ermöglicht wird, ihre Märkte zu schützen.

Wir brauchen aber auch ein Umdenken in unserem Konsum: Millionen Menschen hungern weltweit, während hierzulande das kostbare Getreide und Eiweißpflanzen uneffektiv in der Massentierhaltung landen, 100 Hektar pro Tag Ackerflächen und Grünland versiegelt und verbraucht werden und nahezu 30 Prozent aller gekauften Lebensmittel im Müll landen. Volle Supermarktregale und regelmässige Angebote zu "skandalös niedrigen Preisen" bei uns und zu gleichen Zeit bald eine Milliarde Menschen auf der Welt, die chronisch unterernährt ist.

Unter dem Titel "Mangel im Überfluss: Der Irrsinn globaler Landwirtschaft oder Was hat der Hunger auf der Welt mit uns zu tun?" diskutierten im Sommer interessierte Bürgerinnen und Bürger, im Rahmen eines politischen Filmabends über Hunger und Überfluss, Soja aus Amazonien, Agrarsubventionen, Gentechnologie, Überfischung, die langen Transportwege, Biospritt und Spekulation, aber auch über die Macht der wenigen transnationalen Konzerne, die heutzutage praktisch den gesamten Handel mit Nahrung kontrollieren, mit ihrem Abgeordneten.

EINLADUNG: Ich biete in Zusammenarbeit mit dem Flensburger Kinoplex regelmäßig interessante Spielfilme mit politisch brisanten Themen an. Im Anschluss diskutiere ich das Thema mit den Zuschauern. Am 17.11. wird der Film "Leben außer Kontrolle" gezeigt. Danach wird u.a. über die Gefahren der Nutzung von Gentechnik im Kampf gegen Hungersnöte diskutiert.

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