Immer noch Hohe Mütter- und Säuglingssterblichkeit im Afrikanischen "Musterland" Ghana! Mit einer internationalen Delegation von Parlamentariern in Krankenhäusern und Ambulanzen Süd-Ghanas
Vom 21. bis zum 29. Juli nahm ich als Mitglied des Parlamentarischen Beirats der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) an einer Projektreise des "European Parliamentary Forum on Population and Development” (EPF) teil. Das EPF ist der Dachverband der europäischen fraktionsübergreifenden Parlamentariergruppen, die sich für die Erreichung der Ziele des Aktionsprogramms der Weltbevölkerungskonferenz von Kairo (1994) und die HIV/Aids-Bekämpfung einsetzen.
Ziel der Reise war eine Bestandsaufnahme der Projekte für sexuelle und reproduktive Gesundheit in Ghana durch Besuche von Initiativen und Einrichtungen sowie durch Gespräche mit Vertretern einheimischer Nichtregierungs-, UN-Organisationen, lokalen Botschaften und mit ghanaischen Parlamentarier/innen.
Sexuelle und reproduktive Gesundheit (SRG) umfasst alle gesundheitlichen Aspekte rund um die Sexualität und die Schwangerschaft. Dazu gehören auch Fragen wie HIV/AIDS, Geschlechtskrankheiten, Beschneidungsfolgen bei Frauen, Mütter- und Säuglingssterblichkeit und Vieles mehr. Gesundheit ist existenzielle Voraussetzung für das Überleben ganzer Familien in den ärmsten Ländern. Gerade dort steht die Gesundheit täglich auf dem Spiel: sowohl durch mangelhafte Ernährung, Hygiene und Bildung, als auch durch fehlende Gesundheitsfürsorge. Drei der 15 Milleniumsentwicklungsziele (Millenium Development Goals - MDG) beziehen sich auf die Gesundheit.
Die häufigsten Krankheiten um Schwangerschaft und Geburt können heute zwar verhindert werden, Voraussetzungen dafür sind aber umfassende Präventionsmaßnahmen und der Aufbau eines Gesundheitsversorgungsnetzes von Krankenhäusern und Apotheken. In Ghana ist ein solches System noch unzureichend entwickelt. Mit der Besichtigung von gesundheitlichen Einrichtungen wie dem Atua Regierungskrankenhaus, dem St. Martins Hospital in Atua und Agormanya sowie einer AIDS- und Tuberkulose-Klinik in Accra, wollte ich mir mit der Delegation einen Überblick darüber verschaffen, wie weit der Weg zur Erfüllung der MDGs noch ist.
In Ghana erfuhren wir durch Gespräche mit lokalen Nicht-Regierungsorganisationen auch von einer traditionellen Praxis der Kinder-Sklaverei die in Teilen Ghanas, Togos und des Benin verbreitet ist. Etwa 5.000, meist fünf- bis zehnjährige Mädchen, sind davon betroffen. Diese so genannten Trokosi werden an Priester abgegeben und zu rituellen Sklavinnen gemacht, zum Beispiel um die Sünden anderer Familienmitgliedern zu büßen. In den sogenannten "Shrines" werden sie meistens sexuell ausgebeutet und ihnen wird jegliche Schulbildung verwehrt. Die Trokosi-Sklaverei ist in den Ländern zwar verboten und wird mit Gefängnis bestraft, doch dieser Brauch besteht in einigen Gegenden fort, wie beispielsweise im Südosten Ghanas. Engagierte lokale Politikerinnen und Nicht-Regierungsorganisationen konnten durch ihr Engagement die Freilassung von 2.000 Trokosi erreichen. Dabei mussten sie mit den alten Traditionen sehr vorsichtig umgehen, schafften es aber die Priester in den "Shrines" z.B. durch die Ersatzgabe von Kühen und anderen Nutztieren zufriedenzustellen. Die Wege zu Menschenrechten und menschenwürdiger Entwicklung sind besonders in Afrika oft nicht einfach und direkt sondern brauchen Kenntnis und Einfühlungsvermögen für die Bedeutung der dortigen traditionellen Werte. Die befreiten Trokosi konnte ich in Ihrem Ausbildungscamp in der Nähe des Volta-Flusses in Süd-Ghana besuchen. Sie lernen neben Lesen und Schreiben handwerkliche Fertigkeiten und werden auf eine Rückkehr in ihre Familien vorbereitet.
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