Drei konkrete Forderungen aus Berlin nach Heiligendamm
Eine zweitägige Parlamentarierkonferenz wurde am 31. Mai 2007 in Berlin mit Forderungen an die in der nächsten Woche in Heiligendamm tagenden Regierungschefs der G8-Staaten abgeschlossen. Themen waren: Maßnahmen zur Beendigung der HIV/AIDS-Pandemie, reproduktive Gesundheit, gerechter Zugang zu Trinkwasser, Nahrung, Bildung und zu notwendigen Medikamenten.
Drei Forderungen, die ich mit Erfolg in die Diskussion eingebracht habe, sollen hervorgehoben werden. Sie gehen weiter, als das, was bereits in der deutschen G8-Programmatik enthalten ist:
1. Einrichtung eines "Global Fund for Research and Developement", der von allen Staaten unterhalten wird. Damit soll endlich eine am wirklichen Bedarf ausgerichtete Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente gegen lebensbedrohliche Krankheiten gesichert werden. Nicht wo am meisten an Krankheit verdient werden kann, sondern wo die Hilfe am notwendigsten ist, sollen die Schwerpunkte medizinischer Forschung gesetzt werden.
2. Keine Patentmonopole auf wichtige Medikamente zur Prävention und Behandlung übertragbarer Krankheiten! Seuchenbekämpfung ist öffentliche Aufgabe! Wer Seuchen ihren Lauf lässt, und sich darauf konzentriert, an deren Opfern möglichst viel zu verdienen, handelt gewissenlos und nimmt Tod und Elend von Millionen Menschen billigend in Kauf. Seit 30 Jahren wurden keine neuen Mittel gegen die Tuberkulose zur Verfügung gestellt - ein Armutszeugnis für die marktstrategisch ausgerichtete Pharma-Branche. Statt deren inzwischen auch von der WHO für unglaubwürdig angesehenen Floskel "No Patent - No Cure!" müsste es richtig heißen: "Patents on essential drugs kill!"
3. Die Schaffung und Umsetzung von Vereinbarungen, welche "brain drain" verhindern, eine faire Kompensation für die betroffenen Entwicklungsländer von den profitierenden wohlhabenderen Ländern sichern und die Motivation und Annreize für Gesundheitfachpersonal schaffen, in ihrem Land zu bleiben und zu arbeiten. Die notwendigen Medikamente reichen allein nicht aus. Deren richtiger Einsatz muss durch geschultes, ärztliches und pflegerisches Personal sichergestellt werden. Der so genannte "brain drain", das Abwerben und Abwandern von in den Entwicklungsländern ausgebildeten medizinischen Personals, ist eine weitere Ursache des wachsenden Elends durch HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose und andere in armen Ländern häufige Krankheiten.
Alle drei Forderungen sollen arme Länder bzw. Entwicklungsländer vor einer weiteren Ausbeutung und Verelendung durch reichere Länder - wie die G8-Länder - schützen.
Diese Forderungen sind bei den zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt auf fruchtbaren Boden gefallen und wir hoffen, dass diese Botschaft auch die Köpfe und Herzen der Verantwortlichen in Heiligendamm erreichen wird."





