Nur durch die Entwicklung einer wirksamen Impfung ist AIDS zu besiegen!
01.12.2007: Mein Artikel für den SHZ-Verlag, erschienen dort am 01.12.2007: Wir haben den Wettlauf mit AIDS bisher nicht einmal ansatzweise gewonnen! Der "WELT-AIDS-TAG" ist deshalb ein guter Anlaß für eine nüchterne Bestandsaufnahme der Entwicklung dieser Seuche.
Vor ein paar Tagen stellte das Programm der Vereinten Nationen zur Bekämpfung von Aids (UNAIDS) seinen neuen Jahresbericht vor, der eine überraschende Nachricht enthielt: Laut diesem beträgt die Gesamtzahl der HIV-Infizierten nicht mehr 39,5 Millionen Personen weltweit sondern "nur" 32,7 Millionen.
Es gibt aber keinen Grund, sich über die neuen Zahlen zu freuen, es handelt sich lediglich um einen statistischen Effekt! Die Büros des UNAIDS Sekretariats und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben ihre Erhebungsmethoden verbessert. Leider bedeuten diese Zahlen nicht, dass ein Ende im Kampf gegen Aids abzusehen ist.
Zwar können wir uns über positive Meldungen freuen, die Rückgänge der Infektionsraten in gewissen Ländern preisen. Die Lebenserwartung nach einer HIV-Infektion ist auch gestiegen. Dank der Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft und der grossartigen Arbeit, die von UNAIDS, dem GLOBAL FUND, Helferorganisationen wie "Medico International" oder "Ärzte ohne Grenzen" und vielen anderen geleistet wird, haben über zwei Millionen HIV-positive Menschen einen Zugang zu lebensverlängernden Medikamenten gegen das Retrovirus erhalten.
Bildung, Aufklärung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Sex und weiteren Risiken der Erreger-Übertragung bleiben grundsätzlich die Basis der globalen Bekämpfungsstrategien gegen AIDS und andere übertragbare Krankheiten.
Hinzu kommt, dass neue, hoffnungsbringende Konzepte, wie die Product Development Partnerships (PDPs) es ermöglichen, die Herstellung und Versorgung mit Arzneimitteln, mit Hilfe öffentlicher Finanzierung und unter Vermeidung von patentbedingten Monopolpreisen zu erleichtern. Somit wird Hilfe erschwinglicher für die ärmsten der Armen.
Doch leider bleibt eines erschreckende Wirklichkeit: über 25 Jahre nach dem Ausbruch der Immunschwächekrankheit ist die Epidemie nicht rückläufig. In Ländern des südlichen Afrikas gehört die Angst vor der Übertragung zum Alltag. Dort befindet sich ein Drittel der weltweiten HIV-Infizierten und dort treten auch ein Drittel der Todesfälle auf. In Osteuropa hat sich die Zahl der Infizierten seit 2001 verdreifacht.
Die Zahl neu-infizierter Menschen - pro Tag rund 6800 Menschen - übersteigt bei weitem die Zahl der Menschen, die auch jeden Tag erstmals eine sogenannte antiretrovirale Therapie (ART) erhalten. Eine ART muss lebenslang genommen werden. Hinzu kommt das Risiko, dass sich zunehmend Resistenzen gegen bekannte Medikamente entwickeln.
Ohne Impfung werden wir deshalb die Seuche in absehbarer Zeit und weltweit nicht in den Griff bekommen! Es muss unbedingt sehr viel mehr Geld von der internationalen Gemeinschaft in die Impfstoff-Forschung investiert werden. Die Entwicklung eines Impfstoffes wird bisher nicht mit der notwendigen Kraft vorangetrieben. Die Aufwendungen zur Entwicklung eines HIV-Impfstoffes sind immer noch weitaus geringer als die, welche lediglich zur Entwicklung von weiteren Substanzen für bereits Erkrankte investiert werden. Die derzeitige Strategie von großen Teilen der Pharma Branche, auf immer mehr Therapie zu setzen, mag deren Aktionären gefallen, sie wäre jedoch zynisch, wenn nicht gleichzeitig mit aller Kraft und ernsthaft an der Erforschung vom solchen Medikamenten gearbeitet wird, die geeignet sind, neue Krankheitsfälle zu verhindern. Mit der bisherigen Strategie - das wissen wir - wird man anwachsendes Elend und eine rasche weitere Ausbreitung in vielen Regionen der Welt nicht verhindern können!
Auch in Deutschland steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder an. Durch eine falsche Vorstellung der Wirkung von neuen hochwirksamen HIV-Medikamenten ist eine Art Sorglosigkeit entstanden. Vielen ist nicht klar, dass die starken Nebenwirkungen dieser Präparate ein normales Leben stark beeinträchtigen und dass eine HIV-Infektion nach wie vor unheilbar ist. Das Robert Koch Institut (RKI) meldete für die erste Jahreshälfte eine Steigerung der Neuinfektionen in Deutschland um 9%, verglichen mit der ersten Jahreshälfte 2006.





