Therapie für tropische Krankheiten in armen Ländern: Medikamente sind immer noch nicht vorhanden!
18.12.2007: Anfang November fand die zweite Sitzung der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe der WHO zur Entwicklung einer bedarfsgerechten Gesundheitsforschung (Intergovernmental Working Group on Public Health, Innovation and Intellectual Property) in Genf statt.
TB-Klinik Accra, Ghana
Als Berichterstatter für gesundheitliche Fragen im Entwicklungsausschuss verfolge ich diesen Prozess auf internationaler Ebene mit großem Interesse. Jährlich sterben Millionen von Menschen an Krankheiten, die eigentlich behandelbar wären. Sie sterben an Tuberkulose, Malaria und anderen armutsbedingten Krankheiten wie Leishmaniose oder der Schlafkrankheit. Für mich steht die Tuberkulose im Vordergrund: hier wurden in 30 Jahren keine neuen Medikamente mehr entwickelt, weil die Pharmaunternehmen sich keinen lukrativen Markt versprochen haben.
Die aktuellen Verhandlungen, die derzeit auf internationaler Ebene laufen, sollen alternative Ansätze hierzu vorschlagen, in der Form eines Völkerrechtsvertrags, der eine Reform des aktuellen Patentsystems vorschlagen soll. Ich halte auch die Gründung eines Fonds für eine öffentliche Finanzierung der Medikamentenforschung kurzfristig für einen sehr interessanten Ansatz, weil er meiner Meinung nach am schnellsten realisierbar ist. Die so beforschten und entwickelten neue Stoffe müssten sofort patentfrei zur Verfügung stehen. So wäre die Forschung nicht dem Markt allein überlassen, sondern viel mehr bedarfsorientiert.
Seit ein paar Jahren existieren auch sog. "Product Development Partnership" (PDP), wo sich Forschungsinstitutionen aus aller Welt zusammengeschlossen haben und kostengünstige dringend benötigte Medikamente für die Behandlung von tropischen Krankheiten entwickeln. (siehe mein Artikel vom 16.11. "Medikamente für arme Länder: DNDi engagiert und erfolgreich!"). Solche Initiativen hängen jedoch stark von der Finanzierung durch externe Geldgeber ab.
Ich bin davon überzeugt, dass das aktuelle System der Medikamentenforschung vom Patentsystem abgekoppelt werden muss. Pharmaunternehmen wehren sich natürlich heftig gegen diese Überlegung zum kompletten Systemwandel und bevorzugen Systeme wie die PDPs, wo sie sich parallel beteiligen können.
Leider stellte sich vor der letzten Sitzung der WHO-Arbeitsgruppe kurzfristig heraus, dass die Verhandlungen nicht öffentlich sind, die reichen Länder sich also nicht so gern in die Karten gucken lassen wollen. Die Verhandlungen sind jedoch nicht abgeschlossen und werden im folgenden Jahr weitergeführt werden. Es bleibt noch offen, ob die Regierungen der Industrie- und Entwicklungsländer ein neues Kapitel der Gesundheitsforschung aufschlagen.
Angesichts der Millionen Toten, die jedes Jahr sterben, weil sie sich die notwendigen Medikamente nicht leisten können und weil das medizinische Personal von reichen Ländern abgeworben wird, müssen wir unserem Gewissen folgen und dürfen im Kampf um einen gerechten Zugang zu notwendigen Medizin nicht locker lassen! Ich danke allen, die dabei mithelfen.





