Besuch in Nübelfeld und Kalleby bei "Landwerk"

12.09.2009: Auf der Rückfahrt von Kappeln nach Flensburg, bog ich bei Nübelfeld nach Norden von der Nordstrasse ab, um mit meinem WolWOmobil ein wenig an der Förde entlang zu bummeln. Wenige Meter weiter, gleich hinter der Mühle war etwas los! Dort standen Tische vor den Häusern und zahlreiche Autos. So stieg ich aus, um herauszufinden, was dort vor sich ging und traf die sehr netten Leute vom "Landwerk". Hier ein paar Fotos und der Bericht von Sven Wiedemann vom sh:z:

PRESSE-SPIEGEL: Ein Artikel von Sven Windmann 03.09.2009, Flensburger Tageblatt

"Die einmalige Antikmeile ist eine Reise wert" Die Betriebe haben vieles gemeinsam: Alle neun liegen an derselben Straße zwischen Nübelfeld und Kalleby, alle befinden sich in historischen Gebäuden, und in allen wird ein seltenes Handwerk ausgeübt. Das ist Grund genug, sich im neuen Gemeinschaftsprojekt "Landwerk" zusammenzuschließen, das ein Zeichen für das Leben und Arbeiten auf dem Land setzen soll. Quern

  • Sie ist einfach hübsch anzusehen. Richtig malerisch schlängelt sich die kurvenreiche Straße von Nübelfeld in den Querner Ortsteil Kalleby. Links und rechts reiht sich ein historisches Gebäude ans nächste: eine Mühle, die alte Schmiede, eine Bauernkate unter Reetdach, davor ein Rosenmeer aus tausend Farben. Dass Jürgen Swoboda an diesem schönen Fleckchen Erde nicht nur lebt, sondern auch arbeitet, macht den 52-Jährigen sichtlich stolz. "Die Straße ist nicht nur optisch etwas ganz Besonderes, hier haben sich auch viele Gewerke und Betriebe angesiedelt, die es anderswo kaum noch gibt - und in jedem einzelnen von ihnen wird mit viel Liebe und Herzblut gearbeitet", schwärmt der Oldtimer-Restaurator. Dass dort, abseits der Nordstraße, tatsächlich eine kleine Schar gleich gesinnter, selbstständiger Tüftler, Künstler und Handwerker heimisch geworden ist, soll nun auch offensiv in die Welt getragen werden. Dazu haben sich neun Betriebe und ihre Inhaber zusammengetan und das Projekt "Landwerk" ins Leben gerufen - ein Titel zusammengesetzt aus den Worten "Leben, Handel, Handwerk". Das Besondere daran: Alle neun liegen an der selben Straße, alle neun üben ein seltenes Handwerk oder ungewöhnliches Gewerk aus und alle neun arbeiten unter historischen Dächern. "Irgendwann ist uns bewusst geworden, dass es hier diese besondere Konstellation gibt. Da haben wir uns gesagt: Daraus muss man doch etwas Schönes stricken können", sagt Mathias Jürgensen - und er strickte: Der 39-Jährige, der in Kalleby mit historischen Baustoffen handelt, setzte sich mit einigen seiner ortsansässigen Mitstreiter zusammen und schickte schließlich "einfach mal eine Einladung an alle Betriebe, die für einen lockeren Zusammenschluss in Frage kamen". Offenbar stieß Jürgensen damit auf offene Ohren. Alle angeschriebenen Partner waren gleich Feuer und Flamme und präsentieren sich nun mit gemeinsamem Flyer und Ziel der Öffentlichkeit: Man will ein Zeichen setzen für das Leben und Arbeiten auf dem Land, sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren. Schlicht: den gelebten ländlichen Strukturwandel repräsentieren. "Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass Dörfer nicht sterben müssen und dass es durchaus möglich ist, Arbeitsplätze auch abseits der Städte zu schaffen", sagt Jürgen Swoboda, der in seinem Betrieb selbst 14 Mitarbeiter beschäftigt.

Zweites Ziel - und gleichzeitig Bedingung für die Teilnahme am "Landwerk" - ist der Erhalt der historischen Gebäude, in denen sich Swoboda und seine Kollegen angesiedelt haben. "Es ist wichtig, dass die alten Häuser auch in Zukunft das Dorfbild prägen und entsprechend renoviert werden. Dadurch, dass in ihnen gelebt und gearbeitet wird, kommt Geld in sie hinein - das kann schließlich dafür verwendet werden, sie instand zu halten", sagt Mathias Jürgensen.

Er selbst hat seinen Handel auf dem Gelände eines alten Bauernhofes von 1890 eröffnet. Jürgen Swobodas Oldtimer-Handel verteilt sich auf mehrere alte Häuser - unter anderem eine Meierei von 1896 und gegenüber eine Scheune von 1901. Ältestes Gebäude im "Landwerk"-Ensemble ist die Mühle in Nübelfeld, in der Stefanie Höner einen ganz speziellen Windmühlenurlaub anbietet.

Auffällig ist, dass es sich bei allen beteiligten Betrieben um Neugründungen handelt. Vor 20 Jahren habe es im Ort nicht viel gegeben, jetzt sei jedoch "richtig was los", sagt Swoboda und: "Wir haben hier einen wunderschönen Ort und eine echte Antikmeile - beides zusammen ist einfach eine Reise wert."

Ein gemeinsamer Tag der offenen Tür am morgigen Sonntag soll nun auch Auswärtige von der Besonderheit des "Landwerks" überzeugen. Dabei stellen sich alle neun Betriebe der Öffentlichkeit vor, zeigen ihre Arbeit und die historischen Arbeitsstätten. "Aber auch die anderen Bewohner des Ortes sollen sich daran beteiligen, es soll ein Fest von allen für alle werden", sagt Mathias Jürgensen. Von 10 bis 18 Uhr können sich Neugierige dann auf eine Entdeckungstour von Nübelfeld nach Kalleby begeben. Und wer keine Zeit hat, kann sich einen der frischgedruckten 10 000 Flyer schnappen, die ab sofort in der Umgebung, etwa im Landschaftsmuseum Unewatt, ausliegen. "Außerdem wird jeder von uns zu jeder Rechnung in Zukunft ein Faltblatt legen - auch so machen wir uns gegenseitig bekannt", sagt Jürgen Swoboda. Das könne auch ein Anreiz für weitere Betriebsansiedlungen in Kalleby sein: "Noch gibt es den einen oder anderen freien Hof im Ort."

Sven Windmann

Diese neun Betriebe sind dabei

  • „Auto Höner“, Kfz-Händler; Inhaber Torben Höner
  • „Landhaus Höner“, Windmühlenurlaub; Inh. Stefanie Höner
  • „Zimmerei-Holzbau Naumann & Zschiegner“, Altbaurestaurierung;
  • „Metallbildnerei“, Gestaltung und Restaurierung; Inh. Jörg Müller-Kern“
  • „Angeliter Antik“, Antikmöbel und Reparaturen; Inh. Kai Müller
  • „Hochzeitsfahrten und Chauffeurdienste mit dem Oldtimer“; Oldtimer und Cabrios aus den 1930er bis 1960er Jahren; Inh. Hendrikje Müller
  • „Oldtimer-Restaurierungsbetrieb“, Restaurierung und Oldtimerhandel; Inh. Jürgen Swoboda
  • Architektin Claudia Litzki; Alt- und Neubauten, Denkmalschutz
  • „Historische Baustoffe“, Mauerziegel, Fußböden, Türen, Bauelemente; Inh. Mathias Jürgensen www.landwerk-nk.de
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