Förderung des barrierefreien Reisens

24.02.2009: Am Donnerstag den 05.03.2009 wird der Bundestag über unseren Antrag "Barrierefreien Tourismus weiter fördern" beraten. Ich unterstürze diesen Antrag, da er auf eine bessere Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben abzielt. Barrierefreies Reisen bildet einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen.

Ziel sollte es deshalb sein, ein möglichst selbständiges Reisen für alle Menschen zu erreichen, unabhängig davon, ob sie in der Bewegungsfähigkeit, den Sinneswahrnehmungen, den mentalen Fähigkeiten oder seelischen Funktionen eingeschränkt sind. Immer mehr Menschen mit Behinderungen wollen reisen. Sie wollen keine Spezialangebote im Sinne eines "Behindertentourismus", sondern Angebote im Sinne eines "Tourismus für alle". Etwa die Hälfte von ihnen würde häufiger verreisen, wenn es mehr barrierefreie Angebote für sie gäbe.

Trotz der erzielten Erfolge und Fortschritte im Bereich des barrierefreien Reisens, bleibt für die Akteure in Politik und Tourismuswirtschaft noch viel zu tun, um das Ziel eines flächendeckenden selbstbestimmten Reisens von Menschen mit Behinderungen zu erreichen. Es bestehen Defizite in der Vernetzung, Koordinierung und Vermarktung barrierefreier Angebote sowie in der Öffentlichkeitsarbeit. Zudem fehlt es immer noch an Transparenz auf Grund mangelnder einheitlicher Begrifflichkeiten, Kennzeichnungen und Bewertungskriterien. Es mangelt zudem an einer durchgehend barrierefreien Reise- und Servicekette, die von der Information und Buchung über die An- und Abreise sowie die Unterkunft und Verpflegung bis zu Freizeit- und Kulturangeboten am Urlaubsort reicht. Nur Gespräche oder im Idealfall regelmäßige Runde Tische zwischen allen Akteuren aus Betroffenengruppen, Politik, Tourismuswirtschaft und Verkehrsunternehmen werden bei diesem komplexen Thema nachhaltige Erfolge erzielen. Durch den Abbau bestehender Barrieren können sich touristische Leistungsträger neue und stark wachsende Marktsegmente erschließen und sich im nationalen und internationalen Wettbewerb wirtschaftliche Vorteile sichern.

Weiteres Potenzial für den barrierefreien Tourismus könnte in einer verstärkten Aufnahme der Barrierefreiheit als Förderkriterium bzw. Ausschreibungskriterium bei öffentlichen Ausschreibungen liegen. Gerade dem barrierefreien Umbau bereits bestehender Einrichtungen könnte man durch Öffnung von zinsverbilligten Krediten der Kreditanstalt für Wiederaufbau neue Impulse geben.

Im Bereich der Vermarktung von barrierefreien Angeboten ist insgesamt eine positive Entwicklung festzustellen, die derzeit allerdings noch zu stark auf eine zielgruppenspezifische Ansprache konzentriert ist. Hier ist eine verstärkte Integration von barrierefreien Angeboten in das Marketing nötig. Der Tendenz zum Spezialreisemarkt sollte die Tourismuswirtschaft durch eine Integration in den allgemeinen touristischen Markt entgegenwirken. Nicht zuletzt sollte es Ziel sein, allen Menschen, also auch Menschen mit Behinderungen einen selbst bestimmten und gleichberechtigten Urlaub zu ermöglichen.

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