Sunny Boys in Handewitt - Besuch bei EWS
11.08.2009: Deutschland ist ein Sonnenland, und allen Unkenrufen über das schlechte Wetter zum Trotz auch Schleswig-Holstein. Davon konnte sich der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg zusammen mit seinem örtlichen SPD-Kollegen Bernd Rehmke bei einem Besuch der Firma EWS in Handewitt überzeugen. Hier einige Fakten und das Resumé der Diskussion zwischen dem fortschrittlichen Unternehmer Kai Lippert und dem ökologisch bewegten Politiker Dr. Wolfgang Wodarg.
Das Bild zeigt den Balkon des ehemaligen Bahnwärterhäuschens mit einer Photovoltaik-Anlage, die seit 25 Jahren brav ihre Dienste tut. (v.l.n.r. : Bernd Rehmke, Dr. Wolfgang Wodarg, Kai Lippert)
Auf einer großen Karte in der Chefetage ist die jährliche mittlere Sonneneinstrahlung in Energiemengen eingetragen. Sie zeigt: Auf jeden Quadratmeter trifft jährlich so viel Sonnenenergie wie der Energiegehalt von 100 Liter Öl. Und das heißt: Auf einer Fläche von 71 mal 71 Kilometer oder 5.000 Quadratkilometern kann der Strombedarf der Bundesrepublik vollständig solar gedeckt werden. Der Firmengründer Kai Lippert ist stolz auf diese Karte, die auf seine Initiative zusammen mit der Fachhochschule Flensburg entwickelt wurde und inzwischen allgemeine Grundlage für die Photovoltaikwirtschaft zur Berechnung der Solarerträge geworden ist. "Sonnenstrom aus der Sahara müssen wir gar nicht so weit transportieren, wir haben hier selbst genug".(www.solarertrag-nord.de)
Wodarg stutzte bei dieser Berechnung: „Das ist ja deutlich weniger Fläche, als jetzt in Deutschland für den Anbau von Mais für Biogasanlagen benutzt wird!“ Er stellt fest, dass diese Fläche 2007 schon 550 000 Hektar betrug und erinnert auch an die riesigen Treibhausflächen im südlichen Spanien, deren Dachflächen ebenfalls zum Einfangen von Sonnenenergie genutzt werden könnten. Kai Lippert bemerkt, dass dieses mit Photovoltaik in kühlen Zonen noch viel effizienter sei und verweist auf eine andere Karte, aus der deutlich wird, dass Photovoltaik besonders gut bei uns an der Küste oder in höher gelegenen Bergregionen funktioniert.
Aber nicht nur Solarstrom, sondern überhaupt Energie aus Licht und Sonne gewonnen, ist zu einer deutschen Erfolgsstory geworden. Dank des von der SPD vorangetriebenen "Erneuerbare - Energien - Gesetz" (EEG), das inzwischen weltweit zum Vorbild geworden ist und schon von 47 Ländern übernommen wurde, rentieren sich Solaranlagen selbst für den kleinsten Endverbraucher. "Nirgendwo sonst erzielen sie krisenfest solche Renditen wie bei Sonnenanlagen, die zu Hause installiert sind", rechnet Kai Lippert vor. "Wo sonst - außer bei hoch spekulativen Zertifikaten - erzielen sie eine Eigenkapitalrendite zwischen 8-10 Prozent?"
Es ist natürlich eine rhetorische Frage. Denn klar ist: Auch auf norddeutsche Dächer strahlt ein schier unerschöpfliches Potential an Sonnenenergie. Moderne Solarkollektoren können auch bei bedecktem Himmel nicht nur Strom, sondern auch warmes Wasser und Raumwärme auf äußerst effektive Weise produzieren. Bis zu 60 Prozent Heizkostenersparnis kann auf diese Weise erzielt werden. Kombiniert man Solarwärme mit Holzpelletöfen - so wie es EWS seinen Kunden vorschlägt - so spart man bis zu 8o Prozent gegenüber einer Öl- bzw. Gasheizung.
Doch dem Naturwissenschaftler Lippert geht es ebenso wie dem Politiker Dr. Wodarg bei ihrem intensiven Gespräch nicht vorrangig um die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik und -thermie sondern um den Klimaschutz, um CO2-emissionsfreie erneuerbare Energien, d.h. um die Unabhängigkeit vom Öl, Gas und von der Kohle. "Energie aus Licht gewonnen bewahrt die Schöpfung und unsere Erde vor dem Kollaps".
Sie sind sich auch darin einig, dass die Nutzung der Sonnenergie die Leitindustrie des 21.Jahrhunderts werden wird. Und Deutschland ist der "global player" Nummer eins, ist führend in dieser Branche, die zur am schnellsten wachsenden deutschen Exportindustrie geworden ist. Die Vorteile, die mit der Solarenergie verbunden sind, lassen sich wegen der vielen "Nebeneffekte" kaum aufzählen. Das beginnt damit, dass es den heimischen Markt unabhängig von Krisenregionen und explodierenden Energiekosten macht sowie langfristige Versorgungssicherheit bietet und hört nicht damit auf, dass es Deutschlands Spitzenstellung in Forschung und Entwicklung sichert.
Die Solarenergie ist außerdem ein immer wichtiger werdender Jobmotor und sie stärkt Mittelstand und Handwerk nachhaltig.
Besser als am eigenen Betrieb EWS ("Energie aus Wind und Sonne") kann es Kai Lippert kaum demonstrieren. Während die weltweite Finanzkrise auch die Realwirtschaft mit auf die Talfahrt gezogen hat, immer mehr Arbeitsplätze abgebaut werden, expandiert das Unternehmen in Handewitt. Die Mitarbeiter sind krisenfest beschäftigt, da die Arbeit und die Aufträge zunehmen. Schon ist eine neue Halle projektiert, da die bisherigen nicht mehr ausreichen, um die wachsende Nachfrage nach Solarmodulen, Wechselrichtern und Montagegestellen zu befriedigen. Denn auch im Land zwischen Nord- und Ostsee sind die "Solarbauer" stark gefragt, weil ihre Anlagen nachweislich nicht nur stärkster Windbelastung standhalten, sondern auch in der salzigen Seeluft korrosionsfrei bleiben.
„Die Firma EWS ist ein schlagender Beweis für die Zukunft der Solarenergie, als ich Sie das erste Mal besuchte, war das hier noch ein ökologisiertes Bahnwärterhäuschen, jetzt arbeiten hier über einhundert hochqualifizierte Mitarbeiter und das Unternehmen wächst ständig weiter,“ bemerkt Wodarg anerkennend.
"Wenn wir schnell Millionen neue Arbeitsplätze schaffen wollen, dann sollten wir mehr öffentliche Gelder in diesen Sektor lenken und auf eine unverzügliche und radikale Energiewende setzen. Das wäre ökologisch wie ökonomisch dringend notwendig und könnte uns vor einer sozialen Katastrophe und einer Klimakatastrophe in einem Streich retten," kommentierte Wodarg.
"Mit der Solarenergie und den dazu gehörigen Gesetzen sind wir jedenfalls auf dem richtigen Weg", resümieren der Unternehmer und der Politiker den gemeinsamen Gedankenaustausch. "Nun müssen wir die Solarenergie aber auch noch im Verkehrswesen nutzbar machen, regionale Straßenbahnnetze bauen und besonders im Kurzstrecken-Individualverkehr auf Elektroautos setzen", meint Dr. Wodarg zum Abschied. "Darin stimme ich Ihnen zu", sagt der erfahrene Solartechniker und Kaufmann Lippert, "doch das mit den Batterie-Autos ist ein äußerst vertracktes Feld". Das nächste Gesprächsthema liegt damit schon fest und ist einfach gefunden. Ein gemeinsames Datum in den dichtgedrängten Terminkalendern zu finden, dürfte sich wesentlich schwieriger gestalten.







