Es ging „rund“ auf dem Brarup-Markt!
25.07.2008: Nach anfänglichem Säbelrasseln des Süderbraruper Bürgermeisters klappte es dann ganz prima: Die Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen (AGS) kümmert sich um die Sorgen der Schausteller. Auch prominente SPD-Genossen kamen zu einem fröhlichen Bummel durch Buden und Karussells, informierten sich über die besondere Welt der Märkte und nahmen wichtige Anregungen entgegen. (SOMMERTOUR)
Am Freitag feuerte der Bürgermeister von Süderbrarup um 15 Uhr den Startschuss zum diesjährigen Brarup Markt ab und lud dann die von ihm eingeladenen Ehrengäste zu einem Marktrundgang ein. Das ist schon seit Jahrzehnten so gelaufen und wird auch so bleiben, selbst wenn einmal ein anderer Bürgermeister oder gar eine Bürgermeisterin die Einladungen verschickt.
Die Arbeitsgemeinschaft der Selbständigen in der SPD (AGS) vertritt auch die Interessen vieler sozialdemokratischer Schausteller und hat sich schon bei so mancher Gemeinde für die Schausteller einsetzen können.
Das Leben der Schausteller, die oft schon seit Generationen ihr Geschäft von Jahrmarkt zu Jahrmarkt fahren, ist bunt aber auch mit besondern Erschwernissen für sie und ihre Familien gepflastert. Wo sollen die Kinder betreut werden, wo zur Schule gehen? Wie schaffe ich mir eine hilfreiche Nachbarschaft und einen festen Freundeskreis? Wohin geht die Post? In welchem Verein kann ich überhaupt Mitglied werden und wie pflege ich solche festen Gemeinschaften?
Nachdem von Niels Arndt, dem Vorsitzenden der AGS-Schleswig-Holstein-Nord vorgeschlagen wurde, doch einen „virtuellen“ SPD-Ortsverein der Schausteller zu gründen, war das Interesse groß und die AGS traf sich seitdem auf mehreren Marktveranstaltungen um mit den Schaustellern deren Probleme zu diskutieren.
Überhöhte Energiepreise, oder sehr hohe Standgebühren, Schwierigkeiten mit dem Lärmschutz, der Trinkwasserversorgung, der Müllentsorgung oder ganz einfach Probleme mit einzelnen Ämtern, dass waren dabei wichtige Themen, die von örtlichen Kommunalpolitikern aufgegriffen und manchmal sogar für alle befriedigend geregelt werden konnten.
Jetzt hatte die AGS zum großen Markt in Süderbrarup neben dem örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg sogar den schleswig-holsteinischen SPD-Vorsitzenden persönlich auf den Brarup-Markt einladen können. Zwei Fliegen mit einer Klappe, dachte Niels Arndt und alle freuten sich, den fröhlichen Bummel durch Buden und Karussells mit einem informellen Treffen mit interessierten Schaustellern verbinden zu können.
Zu früh gefreut: Der CDU-Lokalmatador und Bürgermeister Johannes-Peter Henningsen fühlte seine Markteröffnungszeremonie bedroht, weil er durch die Einladung der ASG zum Eröffnungstag – und zwar schon eine Stunde vor seinem offiziellen Kanonenschuss eine „politische Unterwanderung“ witterte. Er schrieb Niels Arndt: „Ihre unverschämte Einladung zur Eröffnung um 14 Uhr untersage ich hiermit.“
Der Brarup Markt wäre um 14 Uhr also noch gar nicht eröffnet, jene Schausteller, die sich um politische Unterstützung bei der SPD bemühen, hätten also in keiner Weise stören können. Auch hatte Niels Arndt doch nie geplant, seine Gäste dem CDU-Bürgermeister unterzujubeln oder gar eine Gegenveranstaltung zu organisieren - wogegen denn? Trotzdem, der Bürgermeister reagierte „allergisch“ und zog drohend alle Register gegen die von ihm gespürte Bedrohung seiner Markt-Macht: Er werde politische Einladungen und Veranstaltungen auf dem Brarup-Markt nicht dulden, eine Eilsitzung des Finanz-und Wirtschaftsausschusses einberufen, Presse Rundfunk und Fernsehen über diesen „Unterwanderungsversuch“ unterrichten und die Marktsatzung entsprechend verschärfen. So brachte es die Zeitung dann auch prompt am nächsten Tage und die Wogen schlugen kurze Zeit hoch in Angeln.
Die AGS, verlegte daraufhin den Termin von einer Stunde vor auf eine Stunde nach der Eröffnung und informierte ihre Gäste entsprechend. Stegner und Wodarg, denen bis dahin nicht in den Sinn gekommen war, dass es Verwechslungsprobleme zwischen Eröffnungszeremonie und AGS-Treffen geben könnte, war das nur Recht, hatten sie doch ohnehin Schwierigkeiten um 14 Uhr in Süderbrarup zu sein. Als der Eröffnungsschuss gefallen war, und die geladenen Gäste, die vom Bürgermeister –damit sich niemand dazwischendrängen könnte- erstmals mit eigens gefertigten Schildern markiert waren, sich bereits zur Fahrt im Riesenrad versammelt hatten, tauchten die ersten Genossen vor der Großschaukel „Rocket“ auf und hielten Ausschau nach ihren Landesvorsitzenden, der kurz darauf mit MdB Wodarg erschien, um sich dem AGS-Rundgang unter fachkundiger Begleitung anzuschließen.
Das bunte Treiben auf dem Markt wurde durch die lockere Runde nicht beeinträchtigt – im Gegenteil, viele Marktbesucher erkannten ihren Abgeordneten und ihren ehemaligen Innenminister, grüssten fröhlich oder kamen für ein paar freundliche Worte hinzu.
Einige Schausteller nutzten die Gelegenheit, um den beiden SPD-Politikern ihre Sorgen vorzutragen, andere um einfach nur Moin Moin zu sagen. Schließlich traf man sich bei Bier und Würstchen am Holztisch und es gab Gelegenheit für die Sprecher der Schausteller, der „hohen Politik“ ihre spezifischen Wünsche und Forderungen nahezubringen.
Besonders deutlich wurde, dass offenbar einige Gemeinden das fahrende Gewerbe und die Märkte keineswegs als kulturelle Bereicherung sehen und ihnen das ohnehin nicht einfache Leben durch administrative Hürden oder hohe Strom- und Standpreise noch schwerer machen. Beide, der Landes- wie der Bundespolitiker versprachen sich für die Interessen der Schausteller einzusetzen und etwas für das Fortbestehen der traditionellen Volksfeste zu tun, die doch ohne das Schaustellergewerbe traurig und arm daherkämen.
Eines wurde deutlich: Ohne Politik gäbe es keine Spiele und keine Volksfeste– denn mit ihr schaffen wir uns in der Demokratie doch erst unsere Regeln – aber nur, wo sie nötig sind!
Anschließend erfüllte sich der Bundestagsbgeordnete Wolfang Wodarg noch einen Herzenswunsch und wagte sich das luftige Kettenkarussel, um den Brarup-Markt von oben zu sehen und die Lebensfreude zu spüren, die von so einem bunten Markt ausgeht.





