Wodarg beim Biike-Empfang des Friesenrates in Alkersum auf Föhr

04.03.2009: In der neuen Bibliothek der Ferring Stiftung in Alkersum auf Föhr trafen sich Friesen aus Ost, West und Nord, um mit zahlreichen Gästen und Repräsentanten aus Politik, Kultur und befreundeten Minderheitenvertretern das Biikefest zu feiern und den verdienten Vertreter der Friesischen Minderheit Igwer Nommensen zu verabschieden. Hier Wolfgang Wodarg's Reisebericht von Flensburg nach Föhr und zurück:

Es war eine abenteuerliche Tour, die mich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und nach fünfmaligem Umsteigen in etwa 4 Stunden von Flensburg über Jübeck, Husum, Niebüll, Dagebüll und Wyk endlich zum schönen, neu restaurierten Haus der Ferring-Stiftung nach Alkersum auf Föhr brachte.

An einem Sonntagmorgen auf dem Jübecker Bahnhof bei Nieselwetter auf den Zug nach Husum zu warten, das heißt: die Einsamkeit bis auf die Haut zu spüren. Es ist nichts los, nur Güterzüge donnern vorbei. Das Neonlicht des Unterstandes zeigt einen mageren Fahrplan und die strengen auf Rot gedruckten Verhaltensregeln für deutsche Bahnhöfe, die hier eine eher absurde Wirkung entfalten.

Dann die Nord-Ostsee-Bahn nach Husum und der eilige Umstieg in den glücklicherweise gut beheizten nächsten NOB-Zug Richtung Norden. In Niebüll muss man den Bahnhof wechseln und kann in einen brummenden Dieselzug einsteigen, der allerdings am Sonntagmorgen auch sehr leer wirkt. Dafür kommt ein netter Schaffner und verkauft gleich die Billetts für die Fähre nach Föhr und zurück. Wie praktisch! In Dagebüll ausgestiegen, genieße ich die steife Nordseebrise und aller Alltag bleibt zurück an Land, als ich meinen Fuß auf die Planken - besser: Stahlplatten - der Fähre setze.

Im Oberdeck gibt es einen Pott heiße Schokolade und eine Fischsuppe - passt nicht zusammen, schmeckt aber beides gut und wärmt auch schön! So nach und nach füllt sich der Dampfer und ich sehe viele vertraute Gesichter, VertreterInnen der dänischen und friesischen Minderheiten sowie weitere Gäste mit dem gleichen Ziel wie ich: dem Haus der Ferring-Stiftung in Alkersum auf Föhr. Anke Spoorendonk sitzt neben mir, wir sind gut drauf und die Überfahrt wird lustig und kurzweilig, weil es so viel zu erzählen und zu sehen gibt, dass beinahe der Kakao kalt wurde.

In Wyk geht's in einen Bus und in Begleitung von einigen Gästen, denen man die harte Biike - Nacht noch deutlich ansieht, und von Frauen in bunten Friesen-Trachten fahren wir durch die flachen Wiesen der Insel bis Alkersum. Dort werden alle sehr herzlich begrüßt, unter anderem von Thede Boysen, dem Vertreter der deutschen Minderheiten bei der Bundesregierung. Wir gehen in einen lichten, freundlichen Saal und der Empfang beginnt.

Den weiteren Verlauf entnehme ich den "Friesen-Seiten":

6. Biike-Empfang in Alkersum Frasche Rädj agt „Adiis“ zum langjährigen Vorsitzenden

Bereits zum 6. Mal lud der Frasche Rädj am ersten Sonntag nach dem Biikebrennen Ehrenamtler und Politiker zum Gedankenaustausch ein: zum Biike-Empfang. „In diesem Jahr konnten wir in den Räumen der Ferring Stiftung über 100 Gäste begrüßen“, sagte der amtierende Vorsitzende des Friesenrates, Erk Hassold. Er zog eine positive Bilanz: „Wir haben auch in diesem Jahr unser Ziel erreicht, und zwar einen intensiven Gedankenaustausch ohne Protokoll und Tagesordnung.“ Neben Abgeordneten des Bundes- und Landtages fanden auch Vertreter der Landesregierung ihren Weg nach Föhr.

Hassold zeigte sich vor allem von der Arbeit des friesischen Journalisten Rein Tolsma beeindruckt, der bereits seit 30 Jahren bei „Omrop Fryslân“ Radiosendungen ausschließlich auf Friesisch moderiert. „Auch in Nordfriesland sehe sich die Möglichkeit, die Menschen über die Medien auf Friesisch zu erreichen. Tolsma hat für mich sehr einleuchtend die regionale Integrationskraft seines Senders beschrieben. Leider ist das Angebot in Nordfriesland sehr mager. Ich denke, dass wir in Zukunft deutlicher auf die Interessen friesischer Gebührenzahler hinweisen müssen.“

Nach acht Jahren verabschiedete sich der Friesenrats-Vorsitzende Ingwer Nommensen, der sich einer neue beruflichen Herausforderung in Norwegen stellt. Viele Weggefährten aus dem Interfriesischen Rat, aus West- und Ostfriesland sowie dem Saterland, nahmen den Biike-Empfang zum Anlass, um sich bei dem engagierten Friesen für seinen Einsatz zu bedanken. Viele hoffen, dass Nommensens Verpflichtung In Oslo lediglich eine vorübergehende „Auszeit“ sei. Hassold: „Wir haben zwar ‚Adiis‘ gesagt, rechnen aber fest damit, dass Ingwer Nommensen in einigen Jahren das Engagement mit neuen Ideen bereichern wird.“

Ja, schön war es! Besonders die musikalischen jungen Leute und die Trachtenfrauen, die auch noch - während alle anderen sich auf die belegten Brote stürzten - einen wunderschönen Volkstanz aufführten.

Ich fuhr mit dem Bus zurück nach Wyk und entschloss mich eine Fähre später zu fahren, um noch einen Strandspaziergang machen zu können. Das hat sich sehr gelohnt. Mir froren ohne Mütze zwar fast die Ohren im scharfen Nordwind ab, dafür wurde ich jedoch belohnt durch einige Sonnenstrahlen, die aus einem blauen Wolkenloch hervorbrachen, welches im sonst grauen Himmel die Umrisse der Insel nachbildete.

Durchfroren erreichte ich gerade rechtzeitig die Fähre und genoss die Überfahrt erneut bei einem heißen Getränk, welches mit Holundersaft und einem Schuss Rum einen maximalen Wärmeeffekt auslöste. Auf dem Rückweg traf ich den auch vom Biike-Fest zurückkehrenden ehemaligen Landesvorsitzenden der SPD Klaus Möller - die Welt ist klein, besonders auf Inseln!

Etwas Bammel hatte ich vor der umständlichen Eisenbahn-Rückfahrt bei bereits einsetzender Dämmerung. Als ich bemerkte, dass ich wohl fast der Einzige sein würde, der mit dem Zug von Dagebüll abreisen wollte und dass dessen Abfahrt noch einige zehn Minuten auf sich warten lassen würde, fasste ich mir ein Herz und fragte eine Gruppe freundlicher Mitpassagiere, die zu ihren Autos strebten, ob sie zufällig Richtung Flensburg führen und ob sie noch ein Plätzchen frei hätten.

Ich hatte Glück! Sie räumten ihr Wochenendgepäck in den Kofferraum und überließen mir netterweise sogar den Vordersitz. Auch diese Fahrt verlief kurzweilig und wir unterhielten uns über Straßenbau, Nah- und Kreisverkehre und - weil sie wohl geahnt hatten, wer dort als Tramper um einen Lift gebeten hatte- natürlich auch ein wenig über Politik.

Viel schneller, als ich dachte, kam ich so zurück nach Flensburg. Ich dankte Friesen und allen Friesenfreunden für diesen schönen Tag, der mich kreuz und quer durchs Land geführt, gekühlt, gewärmt und so richtig wieder einmal zum Nord-Ostsee-Fan gemacht hatte.

Wolfgang Wodarg

Allein in Jübeck

immerhin, ein richtiger Fahrplan in für Züge in drei Himmelsrichtungen

graue Nordsee in Dagebüll

Bordrestaurant-hier gibt es was Warmes!

In Wyk auf Föhr angekommen

Herzlich Willkommen auf Föhr!

Als Friese unter Friesen

Warum tragen nicht mehr Frauen so schöne Kleider?

Ingwer Nommensen mit Helgoländer Friesin

Volks- und Minderheitenvertreter mit Föhrer Friesin

so viel Himmel und so viel See...

Mit der Uthlande gehts zurück nach Dagebüll.

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