Engagierte EuropäerInnen im Berufsbildungszentrum (BBZ) Schleswig

18.05.2009: In der überfüllten Pausenhalle des BBZ-Schleswig hatten sich etwa 180 Schülerinnen und Schüler versammelt, um mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg über die "Vereinigten Staaten von Europa", den Weg dorthin und über Sinn und Bedingungen dieser gut 60 Jahre alten Vision zu diskutieren.

engagierte europapolitische Diskussion zwischen SchuelerInnen und Abgeordnetem

Eigentlich waren es die anstehenden Europawahlen, welche die SchülerInnen fragen ließ: "Was bringt uns das eigentlich, wenn wir zur Wahl gehen?"
Wodarg, der im Bundestag in zwei Ausschüssen EU- Berichterstatter ist und in Straßburg als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates der Fraktion der deutschen Sozialdemokraten vorsteht, hatte reichlich Argumente zu bieten.

Es wurde dadurch auch erheblich konkreter und grundsätzlicher diskutiert: "Das Europa hat als ein Europa der Konzerne begonnen und ist weitgehend durch deren Einflussnahme geprägt worden," stellte Wodarg fest und wies darauf hin, dass der freie Waren- und Dienstleistungsverkehr bisher erste Priorität in der EU hatte, dass es aber nicht zuletzt durch die Diskussion über eine europäische "Verfassung", die jetzt zum Vertrag von Lissabon zurechtgestutz worden ist, dazu gekommen sei, dass auch die menschenrechtlichen, kulturellen und die sozialen Probleme unseres Kontinentes mehr in das Zentrum des politischen Interesses gerückt seien.

Weshalb es denn für die Europäer so wichtig sei, zur Wahl zu gehen, wenn doch alles nur einigen wenigen Energie-, Lebensmittel-, Entsorgungs- oder Autokonzernen zugute komme und die Löhne immer mehr unter Dumping-Druck kämen, wollten die SchülerInnen wissen.

"Damit das endlich anders wird und wir ein starkes europäisches Parlament bekommen, welches für kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt, wettbewerbsfähige Bildungsangebote, mehr Mitbestimmung der einfachen Menschen, der Kleinbetriebe und des breiten Volkes insgesammt kämpft," war die optimistische Antwort Wodargs.

Er zeigte an Beispielen, dass bisher der Zugang zu den Schaltzentralen europäischer Macht hauptsächlich den Regierungen und der in ihrem Auftrag tätigen EU-Kommission vorbehalten war. Sollte der Vertrag von Lissabon Ende des Jahres endlich zum Tragen kommen, wäre Europa demokratischer geworden, denn die neu gewählten Abgeordneten hätten erheblich mehr Möglichkeiten unser Zusammenleben in Europa zu gestalten.

"Wer sich nicht um Europa kümmert, darf sich nicht wundern, wenn es andere tun, die genau wissen, wie sie dessen Möglichkeiten für sich nutzen können," mahnte Wodarg. Angesichts der schnell wachsenden Konkurrenz mit anderen Weltregionen gäbe es gar keine Alternative zu einem möglichst schnellen Zusammenwachsen der Staaten Europas, meinte Wodarg."Schon solche ökologisch notwendigen Projekte, wie die großflächige Nutzbarmachung der Sonnenenergie, welche im Mittelmeerraum im Überfluss und dauerhaft vorhanden sei, könne kaum in nationalen Alleingängen verwirklicht werden.

Die Fragen kamen ohne Pause und mündeten in eine Diskussion, die vielen Beteiligten die Möglichkeit bot, jetzt doch ein wenig besser zu wissen, weshalb es wichtig ist, am 7. Juni zur Europawahl zu gehen.

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