Bildungskolloquium: Mehr Geld in die Köpfe!

03.06.2009: Am vergangenen Dienstag Nachmittag trafen sich auf Einladung der MdBs Dr. Wolfgang Wodarg und Dr. Ernst Dieter Rossmann, Bildungspolitischer Sprecher der SPD Bundestagsfraktion, zahlreiche namhafte Vertreter der Flensburger und Schleswig-Flensburger Bildungseinrichtungen zu einem Kolloquium, um über mögliche Bildungsförderung durch den Bund und über mehr Synergie bei Bildungsanstrengungen vor Ort zu diskutieren.

Audimax in FLensburg

Neben Herrn Maume vom RBZ kamen Prof. Dr. Dunckel, Rektor der Uni Flensburg und Herr Markmann von der IHK. Auch die Fridtjof-Nansen-Schule und die Gemeinschaftsschule Handewitt, das BBZ Schleswig, die VHS Flensburg, HLA, der AStA der Uni Flensburg und die Handwerkskammer waren vertreten. Von kommunalpolitischer Seite waren Jochen Haut, Vorsitzender des Bildungsausschusses (SPD), und Helmut Trost, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, anwesend.

In dem gut zweistündigen Arbeitstreffen standen die finanzielle Ausstattung der verschiedenen Bildungsbereiche sowie die Schaffung und inhaltliche Ausgestaltung von Schnittstellen und Kooperationen im Vordergrund. Die beiden Bundestagsabgeordneten bedauerten, das durch die Föderalismus-Reform die Zuständigkeit der Bundesländer für Kultur und Bildung noch mehr zementiert worden sei und dass deshalb der Bund nur sehr indirekt bildungsfördernde Maßnahmen finanzieren könne.

Für die Region FLensburg-Schleswig wurden von den Anwesenden mehrere, zum Teil bereits sehr gut funktionierende Partnerschaften vorgestellt. Daneben war die Flensburger Hochschule ein zentraler Gesprächsgegenstand, als etwa die eklatante Unterfinanzierung, fehlende Studienplätze und das mangelnde Bekenntnis der Landespolitik zum Bildungsstandort Flensburg kritisiert wurden.
Wegen des demografischen Wandels und des dadurch notwendigen "lebenslangen Lernens" wurde auch die Notwendigkeit einer Verzahnung von beruflicher und allgemeiner Bildung behandelt. "Hier hat der Bund die Bildungsarbeit weitgehend zu finanzieren und sollte die Kooperation mit örtlichen Bildungsträgern weit mehr als bisher fördern," regte der örtliche Abgeordnete Dr. Wodarg an.

Auch über die mögliche Einführung eines "bachelor professional" zur Aufwertung von betrieblichen Ausbildungsabschlüssen wurde diskutiert, allerdings durchaus kontrovers.

Als ein Hauptthema stellte sich erwartungsgemäß die Frage nach einer krisenfesten Finanzierung des Bildungssektors heraus. Dr. Ernst Dieter Rossmann forderte die Einführung eines Bildungssolis, um die Zielsetzung des Lissabon-Prozesses, wonach mindestens 10% des Bruttosozialproduktes in Forschung und Bildung investiert werden sollen, zu erreichen. Finanziert werden könne dies beispielsweise über die Anhebung des Spitzensteuersatzes bei der Einkommenssteuer. Dr. Wolfgang Wodarg machte deutlich, dass die gerade im Bundestag verabschiedete Schuldenbremse nicht zu einem Investitionsrückgang im Bildungswesen führen dürfe.

Zudem wurde darauf verwiesen, dass das BAföG grundlegend überarbeitet werden müsse, was unter Anderem die Wiedereinführung des Schüler-BaföGs, die Abschaffung der Altergrenze von derzeit 30 Jahren sowie die Anerkennung eines Master-Studienganges als Bestandteil des Erststudiums beinhalten müsse.

Deutliche Kritik gab es von mehreren Seiten an der Arbeit des Flensburger Bildungsbüros. Flensburg werde seinem selbst gesetzten Anspruch, Bildungsstadt zu sein, nur bedingt berecht. Vielmehr müsse eine Bildungskommission geschaffen bzw, mit Kraft und Leben gefüllt werden, um vorhandene Ressourcen besser zu nutzen und Steuerungswissen besser einzusetzen, so Jochen Arlt, Leiter der Fridtjof-Nansen-Schule.

Fazit: Es gibt vieles vor Ort, das bereits gut funktioniert. Besonders die Kooperationen zwischen allgemeinbildenden, berufsbildenden Schulen und der Wirtschaft sind teilweise vorbildlich. Allerdings muss noch mehr an Aufmerksamkeit, Anerkennung und Geld in Forschung und Bildung investiert werden, um allen Bevölkerungsschichten Zugang zu Bildung und Arbeit zu ermöglichen.

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