FÜR GUTE PFLEGE UNTERWEGS - Wolfgang Wodarg absolvierte Praktikum bei der Sozialstation Hürup
07.07.2008: Was sollte sich mit der Pflegereform, die am 1. Juli 2008 in Kraft treten wird, in der Pflege ändern? Welche Chancen ergeben sich daraus zum Beispiel im ländlichen Raum? Mit diesen und anderen Fragen absolvierte der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg in der sitzungsfreien Woche ein Praktikum in der Sozialstation Hürup. (SOMMERTOUR)
Dem Abgeordneten, der sein Medizinstudium durch die Arbeit als Pflegehelfer finanziert hat, ist die Praxis der Pflege durchaus vertraut. Die Leiterin der vom Amt Hürup, der evangelischen Kirche und dem ADS geführten Sozialstation Maren Matthiessen hatte sich deshalb vorgenommen, vor allem die organisatorische Seite einer großen Sozialstation zu demonstrieren.
Mehr als 50 Pflege- und Pflegehilfskräfte sind im Amt Hürup rund um die Uhr für Verbände, Spritzen, Lagerung, Mobilisierung aber auch für einfache notwendige tägliche Hilfen beim Waschen, Kämmen, Essen und Trinken zuständig. Wer bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit allein nicht klar kommt, wer nicht in ausreichendem Maße auf pflegende Angehörige zurückgreifen kann, dem steht nach der Kranken- bzw. der Pflegeversicherung professionelle Pflege in bestimmtem Umfang als Sachleistung zu. Auch die Sozialhilfe springt ein, wenn Bedürftige nicht in der Lage sind, ihren Eigenanteil zu finanzieren. Im Büro von Maren Matthiessen zeigt ein übersichtliches Steckkartensystem wandfüllend, welcher Patient von welcher Pflegekraft wann besucht werden wird. In Pflegeplänen werden die Besonderheiten jedes Falles dokumentiert. Nebenan findet gerade eine Schulung über Thromboseprophylaxe statt an der sich über 20 Mitarbeiterinnen beteiligen. "Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten vor Ort klappt gut!" meint Maren Matthiessen, "nur die Krankenhausärzte haben oft wenig Ahnung von dem, was ambulante Pflege leisten kann." Das führe immer wieder zu unnötigen Heimeinweisungen oder Krankenhausaufenthalten. Auch Krankenhausärzte sollten mal ein Praktikum bei einer Sozialstation absolvieren, notierte sich Dr. Wodarg für seine Arbeit im Gesundheitsausschuss des Bundestages. Zum Mittagessen trifft sich jeden Tag eine Runde Demenzkranker, die von Ehrenamtlerinnen abgeholt und beim Essen begleitet werden. Die Koordinatorin Frau Iris Jirka ist begeistert von dem Einsatz ihrer ehrenamtlichen Helferinnen und spielt zum Abschied noch ein Lied zum Mitsingen auf ihrem Akkordeon.
Anschließend begleitet Dr. Wodarg Schwester Margret Penner zum Pflegeeinsatz nach Kleinsoltholz. Hier sind alle froh über die kräftige Unterstützung, denn der dort bereits wartende bettlägerige Patient kann so einmal wieder in den Rollstuhl gesetzt und über seinen Hof geschoben werden.
Wenn auch im Alter oft die Orientierung in der Gegenwart versagt, so sind die Erinnerungen von Edwin Kuhnert an früher um so lebendiger präsent und beim Schieben des Altbauern erfährt der Abgeordnete, wie das Leben in Kleinsoltholz vor über 40 Jahren ausgesehen hat. Es ist schön, wenn Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Eine Einweisung ins Heim überleben viele Alte nicht lange. Der Stress in fremder Umgebung ist für viele trotz allen Komforts einfach zu groß.
Auch Ludwig Cohrs, der Friseur von Mühlenbrück darf mit seiner Ehefrau vor seinem pflegegerecht umgebauten ehemaligen Friseursalon beim Kaffee in der Sonne sitzen.
Möglich wird das durch einen gemeindeorientierten Pflegedienst, der mit ehrenamtlichen HelferInnen unter Nutzung von Nachbarschaften versucht das zu erreichen, was die meisten Menschen wollen: In Würde zu Hause alt werden und -wenn es soweit ist- sterben dürfen.
Beeindruckt von der Arbeit der Pflegekräfte und Ehrenamtler im Amt Hürup meinte Dr. Wodarg zum Abschluss seines Praktikums: "Nicht die Gemeinde mit dem modernsten Heim tut am meisten für ihre Einwohner, sondern jene, die durch gute ambulante Sorge und Pflege möglichst viele Heimeinweisungen überflüssig macht!"