Krankenhauspraktikum in Flensburg

04.09.2008: Angesichts der problematischen Situation in Schleswig-Holsteins Krankenhäusern informierte sich der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg vor Ort in den Flensburger Kliniken. Für zwei Tage zog der Internist einmal wieder den weißen Kittel an und arbeitete 12 Stunden mit dem Team in der Zentralen Notfall-Ambulanz (ZNA) in der Diako und am nächsten Tag 8 Stunden im Pneumologischen Zentrum des Franziskus-Krankenkauses mit, um sich einen eigenen Eindruck von den Auswirkungen der geltenden Regelungen auf die Lage der Patientinnen und Patienten und des Klinikpersonals zu verschaffen. Hier einige der Fotos von netten Patienten, Pflegekräften und Ärzten.

Folgender Artikel ist in den Flensburger Nachrichten erschienen:

Zwei Kliniken im Hamsterrad

Sie lassen es ihre Patienten nicht spüren, dennoch sind sie da: die finanziellen Probleme von Diako und St.-Franziskus-Hospital. Flensburgs Bundestagsabgeordneter Dr. Wolfgang Wodarg machte sich als Praktikant persönlich ein Bild.

Es fehle an allem, „vor allem an Pflegepersonal“, erklärt Wodarg nach seinem zweitägigen Praktikum. Das wenige Personal, das nach den staatlich erzwungenen Rationalisierungen übrig sei, habe zu wenig Zeit für die vielen Patienten, „frustrierend“, sagt Wodarg. Es liege allerdings nicht nur am mangelnden Personal, sondern auch daran, dass viele Menschen ins Krankenhaus gebracht wurden, obwohl „sie gar nicht hierher gehören“.

(Anmerkung Dr. Wodarg: Es fehlen ambulante Versorgungsnetze, um stationäre Eiweisungen gerade bei alten Patientinnen und Patienten zu vermeiden. Heime, Angehörige, Notärzte und Pflegedienste können deshalb eine sachgerechte ambulante Betreuung nicht garantieren und schicken im Zweifelsfall in die Klinik. Das ist belastend für die Patienten und treibt die Kosten in die Höhe.)

Als ein Problem sieht der Bundestagsabgeordnete den Krankenkassenwettbewerb in Schleswig-Holstein. Über 250 Krankenkassen bestimmten die Summe der Gelder, die den Kliniken für Operationen und Versorgung zur Verfügung stehen.
(Anmerkung Dr. Wodarg: Das ist nicht ganz richtig wiedergegeben, denn die Klinikausgaben werden vor allem durch Fallpauschalen, Investitionszuschüsse und Pauschalen für vorgehaltene Infrastruktur abgegolten, die von den Kassen gemeinsam ausgehandelt werden. In den übrigen Bereichen, zum Beispiel der ambulanten Versorgung oder bei den Arzneimittelverträgen gilt für die nunmehr noch 218 Kassen das Prinzip "jeder gegen jeden".)

Während schleswig-holsteinische Kliniken etwa für das Einsetzen von Prothesen 6300 Euro bekommen, liegt die Bemessung im Saarland bei mehr als 7000 Euro für dieselbe Leistung. „Unseren Krankenhäusern wird somit auch der Fortschritt verwährt, weil einfach das Geld nicht da ist“, beklagt sich Klaus Deitmaring, Geschäftsführer des Malteser St.-Franziskus-Hospitals.

Wolfgang Wodarg kritisiert weiter, dass auch interne Sparmöglichkeiten nicht genutzt würden: „Ich frage mich, warum denn zwei Krankenhäuser, die ohnehin so eng kooperieren, immer noch zwei Verwaltungen bezahlen?“ „Noch macht die gute Organisation der beiden Krankenhäuser die Missstände einigermaßen wett“, sagt er, doch das könne auf Dauer nicht funktionieren.

Dennoch verlange die Bundesregierung, dass weiter gespart werde. Mit vereinten Kräften und massivem Stellenabbau hätten es Verwaltungen geschafft, seit 1993 knapp sieben Millionen Euro zu sparen. Wodarg nennt dies einen „Hamsterradeffekt“. „Wir laufen immer schneller, kommen aber dennoch nicht weiter.“ Das Dramatische: Auch Ärzte werden irgendwann zu Patienten. „Sie erleiden irgendwann ein Burn-Out“, erklärt Wodarg.

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