AIDS kann nur gebremst werden, wenn das Verleugnen aufhört
13.02.2009: Durch mehrfach benutzte Nadeln zur Injektion, durch Promiskuität und verletzende Sexualpraktiken breitet sich AIDS in rasantem Tempo besonders in jenen Staaten aus, die das Problem verleugnen. Dort, wo Krisen und Armut zu Prostitution, sexueller Gewalt und Drogenkonsum führen, sind ganze Generationen vom Tod durch die Seuche bedroht. Derzeit sind besonders die Staaten Südafrika und Russland die Problemzonen mit der rasantesten Ausbreitung, meinte Michel Sidibé, der neue Exekutivdirektor von UNAIDS, bei seinem Gespräch mit dem AIDS-Berichterstatter der SPD-Fraktion MdB Dr. Wolfgang Wodarg in der Zentrale der GTZ in Berlin.
In beiden Ländern werde von den Verantwortlichen in Regierung und Politik immer noch so getan, als gäbe es dort keine Probleme mit HIV/AIDS. Dabei sterben junge Frauen und Männer zu Tausenden, weil sie nicht wissen, wie sie sich schützen können und weil ihnen die lebensgefährlichen Risiken beim ungeschützten Geschlechtsverkehr oder von der Drogenspritze verleugnet und verharmlost werden, klagte Sidibé an.
Besonders problematisch sei auch, dass in über 80 Staaten dieser Welt gleichgeschlechtlicher Sexualverkehr unter Strafe stehe und so wichtige Aufklärungsmöglichkeiten erschwert würden. Auch seien Methadon-Programme oder die Vergabe steriler Nadeln an Drogenabhängige in vielen Ländern verpönt, was zu erhöhtem Risiko in diesen Bevölkerungskreisen führe.
Länder mit einer verantwortungsbewussten und klugen Regierung hätten gezeigt, dass nationale Strategien gegen die Seuche sehr erfolgreich sein können. Während in Südafrika die Infektionsrate weiter nach oben klettere, habe das kleine Nachbarland Botsuana nach schrecklichen Erfahrungen eine Trendwende erfolgreich eingeleitet.
Michel Sidibé hob hervor, dass Russland und mehrere ehemalige GUS-Staaten besonders unter wachsendem Drogenkonsum und unter einer sich ausbreitenden Sex-Industrie leiden, die mit einer oft menschenverachtenden Gleichgültigkeit gegenüber der Gesundheit der Betroffenen einhergehe.
Als Vorsitzender des zuständigen Gesundheitsausschusses im Europarat lud Wolfgang Wodarg den UNAIDS-Chef nach Straßburg ein, wo unter den 47 Mitgliedsstaaten auch die Russische Föderation und deren Nachbarstaaten am Tisch sitzen. "Es wäre eine gute Möglichkeit den Parlamentariern die Dringlichkeit des Umdenkens und die Wichtigkeit wirksamer Prävention in ihren Ländern durch Veranstaltungen und Gespräche vor Augen zu führen," meinte der Flensburger Abgeordnete.
Michel Sidibé ging gern auf dieses Angebot ein und sagte zu, den Abgeordneten jener Staaten mit hoher Betroffenheit bei seinem Besuch in Straßburg ins Gewissen zu reden.
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