Patente behindern die Seuchenbekämpfung!

27.04.2009: Anlässlich der Konferenz von Med4all an der Charité zum Thema "Equitable Licensing: Medical Research in the Public Interest" fordert Dr. Wodarg eine parlamentarische Kontrolle des Europäischen Patentamtes.

Weshalb müssen gerade neue, dringend benötigte Medikamente so enorm teuer sein? Gibt es Möglichkeiten, die Entwicklung und Erprobung von lebensrettenden Pillen und Impfstoffen so zu organisieren und zu fördern, dass sie auch für arme Menschen erschwinglich sind? Weshalb werden laufend neue Mittel gegen die Wehwehchen der Reichen und so wenige gegen die todbringenden Seuchen der Armen erfunden?

Das alles waren Fragen, die in der letzten Woche zahlreiche Wissenschaftler aus aller Welt auf Einladung von Med4all im ehrwürdigen Hörsaal des Pathologischen Institutes der Charité Berlin zusammenbrachte. Med4all ist ein Zusammenschluss vom Zentrum für Europäische Rechtspolitik (ZERP), dem Institute für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Charité und der BUKO Pharma-Kampagne - Gesundheit und Dritte Welt e.V. Er wird unterstützt von bekannten Hilfsorganisationen, die nicht nur in Krisenregionen praktische Hilfe leisten wollen, sondern sich auch als Lobby der Hilfsbedürftigen zu Wort melden. Titel der englischsprachigen Konferenz war: "Equitable Licensing: Medical Research in the Public Interest”.

Die Konferenz fand nicht ohne Grund in jenem Gebäude statt, in dem Robert Koch vor über hundert Jahren das Tuberkulose Bazillus entdeckt hatte, denn auch jetzt geht es um diese Killer-Seuche, die sich wieder rascher ausbreitet und jedes Jahr Millionen Todesopfer fordert.

Als Vorsitzender eines Panels moderierte der Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg, der beruflich und politisch mit dieser Thematik eng verbunden ist, einen besonders interessanten Teil der Veranstaltung: Prof. Stefan Kaufmann, der Leiter des Max-Planck-Institutes für Infektionsbiologie in Berlin und Prof. Ulrich Dirnagl, Experimental-Neurologe an der Charité Berlin, präsentierten zwei sehr unterschiedliche aber dennoch zusammengehörende Beiträge. Während Stefan Kaufmann in seinem Bericht über den Sachstand in der Tuberkuloseforschung die dort bestehenden patentrechtlichen und wirtschaftlichen Hemmnisse sehr anschaulich darstellte, berichtete Ulrich Dirnagl aus eigener Betroffenheit als universitärer Forscher von unzureichenden Strukturen im deutschen und im internationalen System universitärer Wissenschaft.

In der Diskussion unterstrich Wodarg seine Forderung, patentfreie Medikamente besonders gegen Infektionskrankheiten durch einen internationalen Forschungsfonds zu ermöglichen. Außerdem kritisierte er scharf, dass mit dem Europäischen Patentamt eine demokratisch nicht kontrollierte, multinationale Institution ein Eigenleben entfalte und ohne ausreichende Legitimation öffentliches Wissen in gewaltigem Umfang privatisiere.

Er forderte die Kontrolle des Europäischen Patentamtes durch die Parlamentarische Versammlung des Europarates, da nur hier alle Mitgliedsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens eingebunden seien.

v.l.n.r.: Prof. Kaufmann, Dr Wodarg, Prof Dirnagl

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