Pressemitteilung:"Dreiste Einflussnahme auf Abgeordnete"
20.06.2010: Die Bundestagverwaltung gab der deutschen Delegation im Europarat eine anonyme Empfehlung, am Donnerstag in Straßburg die Resolution "Der Umgang mit der H1N1 Pandemie: Die Notwendigkeit höherer Transparenz" abzulehnen. Wolfgang Wodarg, ehemaliger Gesundheitsausschussvorsitzender beim Europarat fordert jetzt vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert Aufklärung.
Wodarg: "Das Schreiben an die deutschen Delegationsmitglieder beruht weder auf einem parlamentarischen Beschluss, noch lässt es den Autor oder Initiator dieser offiziell zugeleiteten Empfehlung erkennen. Das ist dreiste Einflussnahme und Missbrauch der Parlamentsverwaltung."
Über den Bericht des britischen Labour-Abgeordneten Paul Flynn über die Rolle von WHO und Pharmaindustrie bei der "Schweinegrippe" soll am Donnerstag in Straßburg abgestimmt werden. Flynn beklagt Intransparenz und starken Einfluss der Pharma-Industrie auf die Entscheidungen der Genfer Weltgesundheitsbehörde (WHO) beim Pandemie-Fehlalarm. Der Bericht wirft auch für die Bundesregierung und ihre Fachleute peinliche Fragen auf.
Wodarg hatte im Dezember 2009 den Bericht beantragt und so dafür gesorgt, dass in mehreren Staaten bereits parlamentarische Untersuchungen laufen.
Er beklagt auch, dass vom Bundestag nur die von der WHO erstellten Schreiben beigefügt wurden, nicht aber die stark belastenden Veröffentlichungen des British Medical Journal, gegen die sich die WHO verteidigt.
Er schreibt dem Bundestagspräsidenten: "Die Email des Bundestages erweckt den Eindruck, als hätten die Presseabteilungen von Glaxo-Smith-Kline, Roche oder Novartis sie für die deutschen Abgeordneten zusammengestellt. Wie weit reicht in Deutschland der Einfluss einer international sehr mächtigen und gut organisierten Arzneimittelwirtschaft auf Parlament und Regierung?"
Wodarg fordert einen Untersuchungsausschuss zum Pandemie-Skandal auch in Deutschland.
Notiz: Inzwischen hat sich das Bundesgesundheitsministerium zur Einflussnahme bekannt.
Schweigen im deutschen Pharma-Dickicht - wer mitmacht wird befördert
Am 24. Juni wird der Europaratsbericht: "Umgang mit der Pandemie" verabschiedet





